Mel..: „Am Brunnen vor dem Tore"

Zu Wardenburg am Kirchhof, da steht ein Glockenturm, Der trotzt seit alten Zeiten schon manchem Wettersturm. Er sah schon Tillys Horden, sah Deutschlands Schmach und Not Und seit dem Sturz des Korsen der Freiheit Morgenrot

Dort zwischen Hunt' und Lethe vertönt sein Glockenklang, Ermahnet zum Gebete und ruft zum Kirchengang.
So klang der Klang der Glocken viel hundert Jahre schon, Bald klang es wie Frohlocken und bald wie Trauerton.

Versunken sind Geschlechter in tiefer Grabesnacht, Stets blieb der Turm als Wächter, er hält die Totenwacht. Bist du einst lebensmüde, dann ruft der Turm dir zu: Hier find'st du deinen Frieden, hier find'st du deine Ruh'.

Grußkarten haben gerade in der Urlaubszeit Hochkonjunktur, Glückwunschkarten wurden vor kurzem in großer Zahl zur Konfirmation oder Kommunion ver­sandt. Auch als Trauerbekundung sind sie nicht weg zu denken.
Eine Konfirmations­karte besonderer Art erhielt vor 57 Jahren eine Wardenburgerin, die sie bis heute gehütet hat. „An die Konfirmandin Anne Ebken, Wardenburg", lautet die Postan­schrift. Straßenname, Hausnummer oder gar Postleitzahl waren 1947 im Dorf nicht nötig. Der Leiter der Poststelle Warden­burg, Willi Wegener, stempelte selbst die Karten und Briefe ab.
Die Wardenburger Postsendungen trug der Briefträger Willi Bunjes dann per Fahrrad und umgehäng­ter Posttasche aus. Er kannte alle Dorfbe­wohner. „Herzlichen Glückwunsch zur Konfirmation sendet Familie Fischbeck, Wardenburg," lesen wir neben der An­schrift. Diese Karte ist mit einer Briefmar­ke im Wert von sechs Pfennig freigemacht und trägt den Wardenburger Poststempel.
Die Vorderseite dieser Ansichtskarte zeigt den Glockenturm, im Hintergrund die ehemalige Sakristei der Wardenburger Kirche, schwach kenntlich. Daneben ist das Wardenburg-Lied abgedruckt in einer fast vergessenen Fassung.

Uns Älteren ist die Melodie, auf die dieses Lied zu singen ist, wohl vertraut. „Am Brunnen vor dem Tore" wurde von dem großen deutschen Liedkomponisten Franz Schubert geschaffen.
Kennt die junge Generation dieses Lied noch, kann man heute noch Volkslieder singen? Die junge Konfirmandin kannte sicherlich das von Franz Schubert komponierte Lied. Ob sie aber das Wardenburg-Lied damals singen konnte oder wollte, wage ich zu bezweifeln. Immerhin hat sie diesen Konfirmationsgruß fast sechzig Jahre in Ehren gehalten.
Sie hat diese Karte sogar ihrer Jugendfreundin, Lore Vahlenkamp, später Lore Düser, nach Amerika gesandt mit der Bitte um Rückgabe. In der Nähe von St. Franzisko verwahrte die Familie Düser diese besondere Karte und schickte sie vor einigen Jahren zurück an die Absenderin. So blieb uns der Text erhal­ten. Wer jedoch der Verfasser des Liedes ist, geht leider nicht aus dem Text hervor. Mehrere Nachfragen ergaben keine ein­deutige Zuordnung. Vielleicht kann die Quelle auf diesem Weg fest gemacht werden. Es freut sich auf Antwort.

Gerda Bösch