Die Polizeireform aus Wardenburger Sicht

Fast auf den Tag sind es zehn Jahre her, seit dem die Polizei zum letzten Mal grund­legend umorganisiert wurde. 1994 wurde die Trennung von Schutz- und Kriminalpo­lizei aufgehoben, Beamte beider Sparten machten unter einer gemeinsamen Füh­rung Dienst. Dieses führte in Wardenburg dazu, dass zu den bekannten Wardenburger Polizeibeamten, die teilweise seit etlichen Jahren hier den Dienst versahen, Kriminalbeamte und weitere Beamte der Schutzpolizei dazu kamen. Die Polizei sollte mehr in der Fläche vorhanden sein, Kriminalität sollte bis zu einem gewissen Grad am Ort des Verbrechens bearbeitet werden. Auf die Beamten kamen natür­lich auch mehr Aufgaben auf die Polizei Wardenburg zu. Wurde früher die schwerwiegendere Kriminalität in Wildeshausen oder in Delmenhorst bearbeitet, so wur­den nun Diebstahl, Einbruch, Raub und Sexualstraftaten durch Beamte in und aus Wardenburg aufgenommen und bearbei­tet. Die CDU- Landesregierung hat gleich nach Übernahme der Regierungsverantwortung die Umorganisation der Polizei in Angriff genommen, sie ist ein Teil des Umbaus der niedersächsischen Landes­verwaltung insgesamt. Die Auflösung der Bezirksregierungen sei hier als Stichwort genannt. Weshalb wurde denn nun wie­der einiges verändert? Hat die Warden­burger Polizei schlecht gearbeitet? War die Zusammenlegung der beiden Sparten vollkommen falsch? Gibt es jetzt Orte, die eine gute Polizei und andere, die eine schlechte oder weniger gute Polizei ha­ben? Ist Wardenburg nun unsicherer ge­worden? Diese Fragen könnte man sich vielleicht stellen.

Hier nun der Versuch der Erklärung. Es ist niemals alles falsch oder niemals alles richtig. Firmen, öffentliche Verwaltungen und auch die Polizei müssen immer wie­der prüfen, ob sie noch auf dem Stand der Entwicklung und der aktuellen Er­kenntnisse sind. Hinzu kommt, dass die Frage der Kosten eine immer bedeuten­dere Rolle spielt. Fakt ist, die kriminelle Szene wird immer raffinierter und mobi­ler. Das Internet spielt eine immer größer werdende Rolle. Organisierte Kriminalität und Korruptionsfälle sind Alltagsschlag­zeilen. Die terroristische Bedrohung ist wieder Teil des täglichen Lebens, auch für Deutsche im Urlaub oder zu Hause geworden. Die Polizei muss versuchen, mit ihren Bekämpfungsmethoden mitzu­halten, was auch bedeutet, dass immer mehr Technik eingesetzt wird und immer mehr Spezialisierung und damit Fortbil­dung stattfinden muss. Die Zahl der Poli­zeibeamten ist nicht unendlich zu erhöhen und letztlich kann ein Mehr an Wissen ein Mehr an Sicherheit garantieren. Da man nun nicht jeden Polizeibeamten in allen Bereichen aus- und fortbilden kann, müs­sen die Fachkenntnisse zentral vorgehal­ten werden. Das bedeutet, das bestimmte Deliktsbereiche zentral bearbeitet werden. Man kann weniger Beamte spezieller aus­bilden und dann auch in der Hauptsache in ihrem Fachbereich einsetzen, da die entsprechende Anzahl der Delikte vorhan­den ist. Wenn jetzt in Wardenburg weniger Beamte auf der Dienststelle sind, so heißt das nicht, dass weniger Beamte für War­denburg zuständig sind. Beamte der Tat­ortgruppe aus Delmenhorst nehmen auch in Wardenburg Tatorte auf, die Fahndung und die Verfügungseinheit aus Delmen­horst sind in Wardenburg aktiv. Beamte aus Wildeshausen und Delmenhorst sind für bestimmte Delikte in Wardenburg zu­ständig, was auch schon früher der Fall war, nur nicht so ausgeprägt.

Der Brandsachbearbeiter, früher in War­denburg, ist jetzt im gesamten Landkreis zuständig und erledigt seine Aufgaben von Wildeshausen aus. Alle Zentralisierung be­deutet nun nicht, dass die Wardenburger Bürger nun zu den verschiedenen Dienst­stellen müssen, um ihr Anliegen vorzu­bringen. Die Wardenburger Polizei ist der erste kompetente Ansprechpartner, dort können Sie auch weiterhin die Anzeigen aufgeben, die dann erforderlichenfalls der sachlich zuständigen Ermittlungsein­heit übergeben oder auch in Wardenburg

bearbeitet und aufgeklärt werden. Auf die Beamten vor Ort, die fachkundig sind und Land und Leute kennen, kann und soll in den Gemeinden nicht verzichtet werden, sie sind nicht zu ersetzen und werden oftmals in Sonderkommissionen oder Ermittlungsgruppen eingebunden, wenn ihre Gemeinde betroffen ist. Auch diese Reform wird sich der dem täglichen Geschehen und der Kritik stellen müssen, erst daran wird man dann sehen, ob der eingeschlagene Weg der richtige war.

 

Text u. Bild Hans-Günther Gramberg

 

 Der neue Leiter der Polizeistation Wardenburg Polizeihauptkommssiar Werner Wessels. Der bisherige Leiter, Erster Polizeihauptkommissar Hans-Günther Gramberg, wurde an die Polizei­inspektion OldenburglAmmerland versetzt Bild: Gramberg