Gedanken, die unvergessen bleiben.

Ein kleiner Spaziergang an einem Sonn­tag morgen in Richtung der Lethebrücke in Littel versetzte mich seltsamerweise zurück in die Jahre, als ich oft diesen Weg mit meinen kleinen Enkelkindern wanderte. Bis zur Lethebrücke sam­melten sie schon eifrig Erntereste, wie Stroh, Heu oder kleine Äste, um diese über das Brückengeländer in die Lethe zu werfen und mit freudigem Geschrei fasziniert zusahen, wie die Strömung des Gewässers alles sofort erfasste und in Windeseile weiter trieb. Ich hatte Mühe, die Kinder im Auge zu behalten, da sie sich aufgeregt weit über das Brückengeländer beugten, um das seltsame Spiel zu betrachten.

Unser Schäferhund war uns gefolgt und ebenfalls sehr aufgeregt über das Gebaren der Kinder. Er lief im­mer wieder die Flussböschung hinunter und versuchte, das schwimmende Etwas zu erhaschen. Es gelang ihm aber nicht. Heute haben meine kleinen Enkel von damals das Schulende fast erreicht und denken sicher nicht mehr an die Lethe­brücke. Nur mir ist die schöne Erinnerung geblieben, wenn ich manchmal diesen Weg wieder gehe.

Ein Zeitungsbericht über die Lethe - die zweite Lebensader der Wardenburger -fiel mir in die Hände, den ich im Zusam­menhang mit meinem Artikel den Leser und Leserinnen des Gemeindespiegels nicht vorenthalten möchte.

Ein nur kleines Flüsschen im Olden­burger Land ist die Lethe, aber sie ist eine der größten Zuflüsse der Hunte. Ihr Quellgebiet liegt in der Garther Hei­de, südlich von Ahlhorn. Aus dem dort entspringenden kleinen Bächlein wird durch zahlreiche beiderseits zufließende Rinnsale ein Flüsschen, das ansonsten auch durch Niederschlagswasser der angrenzenden Felder gespeist wird.

Bei Oldenburg fließt die Lethe in die Hunte, aber gerade in ihrem Mündungsbereich hat sie in den letzten 110 Jahren einen völlig anderen Verlauf genommen, als ihr die Natur einst zugewiesen hatte. Schon seit Menschengedenken wird das Wasser der Lethe wirtschaftlich genutzt, in frühe­ren Jahrhunderten vor allem für Wasser­mühlen, so auf dem Gut Lethe bei Ahl­horn, am Baumweg, in Beverbruch, bei Wardenburg und Hundsmühlen. Heute hat das Wasser vor allem Bedeutung für die Speisung der Ahlhorner Fischteiche, aber auch für die Bewässerung der anlie­genden Felder und Wiesen. Daneben war die Lethe jahrhundertelang der Grenzfluss zwischen der Grafschaft Oldenburg und dem Niederstift Münster. Eng damit verbunden ist die Geschichte der Burg Le­the, einer alten Grenzfestung. Sie lag bei Ahlhorn, dort wo sich in der Nähe der Lether Mühle der Fluss teilte.

An einer Insel im Mühlenteich stand einst die Burg. Letzte Überreste davon, der Burggraben und die Insel, sind noch heute gut erkennbar. Angelegt wurde sie gegen Ende des 14. Jahrhunderts von dem münster­schen Drost in Clop-penburg, Otto von Dorgeloh, als Schutz gegen Räuberban­den. Dazu zählte man aus münsterscher Sicht auch den Oldenburger Grafen Gerd. Ursprünglich floss die Lethe in die Hunte. An welcher Stelle dieses nun ganz genau war, ist nicht bekannt, dürfte aber etwa in der Nähe der heutigen Gastwirtschaft Wöbken in Hundsmühlen gewesen sein. Dann griffen die Wasserbauer aber in den Lauf der Lethe ein, und dieses ist höchst kompliziert.

Um die Tungeler Marsch berieseln zu können, wurde in den Jahren 1876/78 für die Hunte ein neues Bett ge­graben. Man verlegte den bisherigen Ver­lauf zwischen Tungeln und Kreyenbrück zur Hunds-mühler Höhe hinüber und ge­wann so das Gefälle für die Verteilung des Wassers. Durch diese Verlagerung wurden die letzten beiden Kilometer des einstigen Lethelaufes an der Tungeler Marsch ab­geriegelt, so dass ihre Mündung nun nicht mehr unweit der Gastwirtschaft Wöbken in Hundsmühlen, sondern flussabwärts, beim ehemaligen Gut Hundsmühlen, lag. Die letzten 300 Meter der Lethe, vor ih­rer ursprünglichen Mündung, machte sich die neue Hunte seit 1876 zunutze, gleich­zeitig aber auch der im Bau befindliche Hunte-Ems-Kanal, dessen Kähne schondamals von der Gastwirtschaft Wöbken an auf der Hunte Torf von Moslesfehn in die Stadt Oldenburg brachten. Das ab­geschnürte Bett der Lethe verschlickte allmählich. In den Jahren 1922 bis 1924 wurden wiederum

erhebliche Verände­rungen vorgenommen. Um den entste­henden Küstenkanal zu speisen, wurde der Huntespiegel um eindreiviertel Meter bis zwei Meter gehoben, und nun konn­te auch die Lethe nicht mehr, wie bisher, in die Hunte münden, sondern musste bei dem Gut Hundsmühlen unterdükert werden. Seitdem fließt die Lethe von hier ab in einem künstlichen Flussbett, mitten durch die Tungeler Marsch, zum Ostern-burger Kanal, der sein Wasser erst kurz vor der Cäcilienbrücke an die Hunte abgibt. Der Osternburger Kanal ist ein entlastender Huntearm, dessen Anlage 1878 im ältesten Flussbett an der Cloppenburger Straße entlang zwecks Ableitung überschüssiger Hochwasser, notwendig geworden war. Durch diesen Kanal gelingt es dann der Lethe, kurz vor der Cäcilienbrücke, nun schon in der Stadt Oldenburg, sich nahezu unbemerkt in die Hunte zu schmuggeln, wobei die Hunte hier ein Stück des Küstenkanals ist. Durchschnittlich 1,4 Kubikmeter Was­ser je Sekunde gibt die Lethe hierfür den größeren Fluss her.

Helga Heidkämper

Bild, Im kühlen Grunde Bild: Gramberg   

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